Geschichte von Oberwinter - Hafenort am Rhein bei Remagen

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Logo Rathausverein Oberwinter - Hafenort am Rhein bei Remagen

Oberwinter blickt auf eine lange Historie mit vielen spannenden Geschichten zurück. Im Rathausverein Oberwinter haben sich einige geschichtsinteressierte und ortsverbundene Bürger zusammengeschlossen, um die Historie unseres Hafenortes am Rhein zu erforschen und zu bewahren. Mit ihrer Unterstützung konnten wir diesen Zeitstrahl als kleine Übersicht zusammenstellen.

Eine ausführliche Chronik von Oberwinter findet man auf der Seite "Chronik" der Vereinswebseite.
→ Zur Ausführlichen Chronik von Oberwinter

Die Geschichte von Oberwinter im Überblick

50 v. Chr.

Römische Zeit

In den fünfziger Jahren vor Christus hat Caesar das links-rheinische Gebiet für Rom erobert. Der Boden in unserer Gemarkung hat in der Vergangenheit immer  wieder römische Spuren, wie Ziegel, Mauerreste etc. frei gegeben. In Bandorf wurden ein Jupiterkopf und die Figur eines liegenden Brunnengottes ergraben, die sich heute im Rheinischen Landesmuseum in Bonn befinden. Dass schon in römischer Zeit am Unkelstein das begehrte Baumaterial gebrochen wurde belegen Weihesteine, die dort Mitte des 19. Jahrhunderts gefunden wurden.

50 v. Chr.

500 n Chr.

Fränkische Zeit

Die Römer konnten sich bis in die Mitte des 5. Jahrhunderts am Rhein halten. Ihnen folgten als neue Herren die Franken.
Schriftliche oder archäologische Zeugnisse dieser Umbruchzeit haben sich für den Oberwinterer Raum nicht erhalten. Immerhin wissen wir, dass „Königin“ Plektrud, die Gemahlin Pippins des Mittleren, nicht nur das Kölner freiadlige Stift „Maria im Kapitol“ gegründet hat. Sie hat es unter anderem auch mit dem Oberwinterer „Marienhof“ sowie Weinbergen in unserm Ort ausgestattet. Dies dürfte der erste greifbare Beleg des Wirkens von Franken im Dorf sein.

886

Erste urkundliche Nennung Oberwinters

886 wird das Dorf urkundlich zum erstenmal erwähnt. In einer Vereinbarung zwischen dem Abt des Klosters Prüm und einem gewissen Hartmann werden unter anderem Weingärten zwischen „rieganaga et oncale et uuinitorio et cazbach et einzfeld“ erwähnt. Neben Remagen und Unkel also „Winter“ und „Einsfeld“, eine Wüstung, die in nordwestlicher Richtung hinter Bandorf gelegen hat. Hartmann, ein fränkischer Großgrundbesitzer, hat die Kirche von Villip (bei Bonn) gestiftet und reich ausgestattet.

886

1131

Erste Nennung der Oberwinterer Kirche

Im Jahr 1131 wird die Kirche von Oberwinter erstmals urkundlich erwähnt. Seinerzeit bestätigte Papst Innozenz II. dem Bonner Cassius- und Florentiusstift u.a. das Eigentum an Oberwinter samt Kirche und Zehnt.
Wann und von wem die Kirche errichtet wurde, ist der Urkunde nicht zu entnehmen. Nach den Bodenbefunden, die bei den Instandsetzungsarbeiten in der Kirche im Jahr 2005 aufgedeckt wurden, dürfte die Kirche ursprünglich ein rechteckiger, nach Osten hin ausgerichteter Raum von einer Grundfläche von 6 mal 9,50 m gewesen sein. Der romanische Bau war aus Basaltsteinen (möglicherweise vom Unkelstein) errichtet. Die Art des Grundrisses und das Laurentius-patrozinium deuten auf eine Bauzeit im 11. Jahrhundert hin. Wohl im 12. Jahrhundert ist der kleine Bau nach Norden hin um etwa drei Meter verbreitert worden.

14. - 16. Jh.

Landskroner Zeit

Mit diesem Datum beginnt für Oberwinter eine neue Epoche: Vom Kölner Erzbischof erhielt Gerhard, der Burggraf zur Landskron, die Kirchspiele Winter und Birgel zu Lehen. Im Jahre 1441 wurde die Herrlichkeit Oberwinter geteilt: Elisabeth von Saffenburg, eine der beiden Erbtöcher von Landskron und Tomburg, heiratete Herrn Lutter Quad von Isengarten und erhielt den halben Anteil der Herrlichkeit. Sie begründeten das Geschlecht der Quad von Landskron.

Erst 1766 sollte unsere Herrlichkeit wieder in einer Hand vereinigt werden: In diesem Jahre verschied mit Franz Bernhard von Quad der letzte männliche Nachkomme seiner Linie. Sein Anteil gelangte durch Lehensanfall an die Jülicher Lehensherren, die die Herrschaft Oberwinter im Jahre 1567 gegen das Gebiet um Gaulsheim am Rhein mit dem Pfalzgrafen — dem ursprünglichen Lehensherrn — eingetauscht hatten. Der Manderscheidtsche Anteil von Oberwinter war bereits 1593 an Jülich zurückgefallen.

14. - 16. Jh.

1671

Haus Schwanen

Haus Schwanen in Oberwinter - historisches Aquarell

Eines der schönsten und ältesten Gebäude ist das „Haus Schwanen“, Ecke Kräuselgässchen / Hauptstrasse. Der Handelsmann und Oberwinterer Schuldheiß (Johann) Peter Cremer und seine Frau Catharina, geb. Ensfelds, haben den Bau 1671 errichtet.

1721 - 1723

Bau der evangelischen Kirche

Die Kirche ist, nach calvinistischer Art, einfach und schlicht ausgestattet. Der Bau durfte nach der Bauauflage nicht an der Landstraße errichtet werden; er musste hinter den Fassaden der Häuser an der Straße „versteckt“ werden und konnte bis Ende des 19. Jahrhunderts nur durch die Toreinfahrt des „alten Pfarrhauses“ erreicht werden.
Es klingt wie eine Ironie der Geschichte: diese Auflage hat bewirkt, dass der Kirchenbau – anders als die kath. Kirche – hochwasserfrei ist.

1721 - 1723

1784

Jahrtausendhochwasser

Für 1784 berichten die Chroniken über das schlimmste Hochwasser, das der Rhein seit  Menschengedenken geführt hat. Ende 1783, Anfang 1784 herrschte über lange Wochen starker Frost, so dass der  Fluss vollkommen zugefroren war. Die Menschen konnten zu Fuß oder mit Pferd und Wagen das gegenüber liegende Ufer erreichen.
Ende Februar „ging der Rhein auf“, wie die Oberwinterer sagen; es bildeten sich große Eisschollen. Durch einen plötzlichen Kältesturz froren diese wieder zusammen, schoben sich übereinander und bildeten eine künstliche, hohe Mauer, die das Rheinwasser weit zurückstaute.

1794 - 1815

Die französische Zeit

Das sogenannte „französische Zwischenspiel“ begann 1794 mit dem Einmarsch des Revolutionsheeres. Auch Oberwinterer Familien mussten die fremden Truppen einquartieren und verpflegen. Nach den wenigen Quellen, die sich im Ort erhalten haben, war das eine schlimme Zeit.
Das Eigentum der geistlichen Institutionen, davon gab es, wie z.B. den Marienhof, auch in Oberwinter einige, wurde 1803 säkularisiert und zugunsten des französischen Staates veräußert. Das Land blutete unter hohen Kontributionen stark, Napoleons Kriege mussten finanziert werden. Nach dem für Frankreich verheerenden Russlandfeldzug neigte sich die Herrschaft Napoleons, auch am Rhein, ihrem Ende zu.

1794 - 1815

1815 - 1868

Die preußische Zeit

Am 1. Januar 1814 setzten auch im Raum Oberwinter russische Kosaken vom rechten Ufer auf das linke und griffen die französische Besatzung an. Nach mehrfach wechselndem Kriegsglück vertrieben die Russen die Franzosen in Richtung Bonn. Von diesen Kämpfen sollen die Einschüsse Ecke Hauptstraße/Laurentiusgasse) stammen.
Die Rheinländer taten sich mit den neuen Herrn, den Preußen, nicht immer prägten sie den Satz: Unter dem Krummstab war gut leben!
Der preußische Staat investierte in das verarmte Land große Summen in den Wasserstraße und förderte die Wirtschaft. Zur Verbesserung der Hygiene wurde die eingerichtet, der sich der Wasserversorgung und besonders dem Brunnenwesen widmete.

1856

Bau der Eisenbahn

Oberwinter am Rhein - Bau der Eisenbahn im Jahre 1856

Einen für viele kaum vorstellbaren Fortschritt brachte der Bau der linksrheinischen Eisenbahnstrecke. Die aus den 1840er Jahren stammende Strecke Antwerpen  – Cöln wurde in den Folgejahren bis Bonn verlängert.
In Cöln tätige Großindustrielle und Banker, die ihre Sommervillen an der „Rheinischen Riviera“, also in Mehlem und Rolandseck gebaut hatten, haben die Bahnstrecke auf eigene Kosten bis Rolandseck weiterführen lassen. So sparten sie sich die mühsame und zeitaufwändige Fahrt mit der Kutsche über Bonn hinaus. In Rolandseck ließen sie anschließend noch ein stattliches Bahnhofsgebäude, den„Kaiserbahnhof“ errichten, der 1858 feierlich eingeweiht wurde. Die„Rheinische Eisenbahngesellschaft“ hat die Bahngleise in den Jahren 1856 bis 1858 über Oberwinter hinaus bis Coblenz weitergebaut.

1856

1888 - 1891

Der Oberwinterer Hafen

Etwa dreißig Jahre lang hat die Rheinstrombauverwaltung über den Ort nachgedacht, an dem am Mittelrhein ein neuer Schutzhafen errichtet werden sollte.
Oberwinter und der Rheinarm bei Grafenwerth standen in Konkurrenz. Immerhin ging es bei dieser Entscheidung um Arbeitsplätze und um die Sanierung der Uferregion.
1887 fiel die Entscheidung zugunsten Oberwinters. Die im Strom liegende Kiesbank, den sogenannten Oberwinterer Grund nutzte man für den Bau des 800 Meter langen Dammes.
Gleichzeitig schüttete man das vor dem Ort abfallende Gelände an, befestigte es und legte eine Lindenallee an, bis zum Bau der neuen Reichsstraße im Jahr 1936 die „gute Stube“ des Ortes.
Über eine halbe Million Goldmark hat Preußen in die Anlage investiert, die Schleppern und Lastkähnen Schutz bei Hochwasser und Eisgang bot. In harten Wintern sollen bis zu hundert Schiffe im Hafen gelegen haben.

1896

Der Oberwinterer Winzerverein

Oberwinter am Rhein - der Winzerverein - Postkarte aus dem Jahr 1896

Ende des 19. Jahrhunderts gab es im ganzen Rheinland eine große Weinkrise. Die Reblaus war aus Amerika eingeschleppt worden, verschiedene Pilzsorten machten die Trauben krank und außerdem mussten die Winzer mit Kälte und Regen kämpfen. Die Erträge gingen zurück, der Preis für Trauben verfiel. In dieser verzweifelten wirtschaftlichen Situation gründeten 32 Winzer den „Winzerverein“ als eine „eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung“. Auch diese eigentlich sinnvolle Maßnahme konnte den wirtschaftlichen Niedergang des Weinbaus nicht verhindern.
Arnold von Guillaume, der weltbekannte Kabelfabrikant aus Köln, der sich als Sommerwohnsitz das Schloss Ernich gebaut hatte, übernahm Anfang des 20. Jahrhunderts alle Schulden des Vereins und bewahrte damit 32 Familien vor dem Schlimmsten.
Sitz des Vereins war ein 1891 gebautes Haus (heute Hotel Stein), in dem zunächst die Rheinische Kühlschrankfabrik produzierte. Vater Christian Stein hat das Haus als Gastronom später übernommen.

1896

1904

Elektrische Centrale

Oberwinter am Rhein - erste elektrische Centrale im Lichtenthaeler Haus

Wenn sich in der alten Ortschronik auch nur wenige Worte darüber finden, es war für Oberwinter ein großer Schritt in die Zukunft: die Einführung der Elektrizität.
Überall im Deutschen Reich wurden Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts die Lampen von Petroleum auf Strom umgestellt. Da wollten auch die „Herren Gemeinderäte“ in Oberwinter nicht zurückstehen. Sie erteilten eine Konzession zur Produktion von Elektrizität.
Die „Allgemeine Electrizitäts Gesellschaft“, die AEG, baute dann einen Generator im Lichtenthaeler Haus, dessen Zeit als Weinhandelshaus abgelaufen war. Dieses Gewerbe konnte die Familie nicht mehr ernähren.
Die Herrn Räte waren sich sicher, jetzt stehe dem Aufblühen der Gemeinde nichts mehr im Weg. Aber es war noch ein weiter Weg, bis alle Häuser im Dorf mit der neuen Energie ausgestattet waren.

1914 - 1918

Der Erste Weltkrieg

Auch die Oberwinterer Männer zogen mit großem Patriotismus in den Krieg. Sie fehlten aber bei der Arbeit im Weinberg und auf dem Feld.
Die Preise für Lebensmittel und Hausbrand stiegen sehr bald an und die Ausflügler, die bislang Geld ins Dorf gebracht hatten, blieben aus.
Stattdessen kamen viele Verwundete aus Frankreich zurück und mussten versorgt werden.
Das Oberwinterer Krankenhaus, der Saal Beckmann-Loosen und vor allem das Kloster Nonnenwerth wurden Lazarette und gehörten organisatorisch zum Feldlazarett II Remagen.
53 Männer aus der Gemeinde verstarben im Krieg oder an dessen Folgen.

1914 - 1918

1920, 1926

Starke Hochwasser

Die Geschichte von Oberwinter - Hochwasser 1920

Hochwässer musste die Bevölkerung in regelmäßigen Abständen immer wieder ertragen. Besonders hart trafen die Hochwässer in der wirtschaftlich schweren Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Dreimal innerhalb weniger Jahre, 1920, 1924 und 1926 stieg der Rhein in kaum je gekannte Höhen an und blieb 1926 mit einer Höhe von rd. 9,60 Metern nur knapp unter der Deichkrone des Hafendamms, die auf 10 Meter liegt.
Schon damals haben sich die Menschen gefragt, warum der Rhein so häufig „komme“. Viele haben vermutet, das starke Abholzen der Wälder während der Kriegszeiten sei die Ursache dafür.
Immerhin haben der Bau des Hafens und die Eindeckung der Ufer mit Basaltsteinen verhindert, dass – wie in früheren Zeiten üblich – große Teile des Ufers und des Leinpfades abgeschwemmt wurden.

1929

Der Rhein ist zugefroren

Oberwinter am Rhein - zugefrorener Rhein im Jahre 1929

Eine geschlossene Eisdecke, auf der man bequem nach Unkel laufen konnte, das ist selbst für alte Rheinanlieger etwas ganz Besonderes. Letztmalig konnte man im Februar 1929 den Rhein trockenen Fußes überqueren. Die Bilder, die sich von dem seltenen Ereignis erhalten haben, zeigen fröhliche Menschen jeden Alters, die sich diskutierend auf dem Eis bewegen. Ganz Mutige sind gar mit dem Fahrrad unterwegs. Unkel ist plötzlich nur einen Steinwurf weit entfernt. Vom Hafen macht der Remagener Fotograf Johann Baptist Schneider eindrucksvolle Aufnahmen von eingefrorenen Schleppern und Lastkähnen. Ein Bootshaus wird vom Eis in die Höhe gehoben. Es herrscht drangvolle Enge.
Solche Bilder hat es seit dieser Zeit nicht mehr gegeben. Heute verhindern Kalisalze und die Abwärme von Kraftwerken das vollständige Zufrieren des Stroms.

1929

1933

Reichstagswahl

1930 scheitert die Gründung einer Ortsgruppe der NSDAP in Oberwinter. Auch bei der Wahl zum Reichstag am 5. März 1933 wählt die große Mehrheit der Bevölkerung (61,8 % im Kreis Ahrweiler) wieder die „Zentrums-Partei“ (L. Janta aaO, S. 125). Trotzdem ändern sich die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse noch im Laufe des Jahres 1933 dramatisch. Obwohl auch die Gemeinderatswahl vom 13. März 1933 den Nazis im Ort nicht die Mehrheit bringt, reißt die NSDAP unter Leitung von Parteigenosse Hubert Hüllen, Inhaber eines Zigarrenladens im Ort, wie im ganzen Kreis Ahrweiler die Macht an sich. Gewählte Mitglieder werden nach Aussagen von Zeitzeugen aus dem Gemeinderat gedrängt. Wahlen sollen mit Hilfe einer „präparierten“ Wahlurne manipuliert worden sein. Nach Zeugenaussagen soll auch die Stimmauszählung in einer Oberwinterer Gaststätte nicht ordnungsgemäß verlaufen sein. Feuerwehr und Vereine werden nach dem „Führerprinzip“ neu organisiert. Der Prozess der sog. Gleichschaltung schreitet rasch voran. Vereinsmitglieder, denen die „Errungenschaften“ der neuen Zeit nicht genehm sind, verlieren ihre bisherige Mitgestaltungsmöglichkeit.

1934 - 1936

Infrastrukturmaßnahmen

Begleitet von großem propagandistischem Aufwand werden zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit 1934 verstärkt Infrastrukturmaßnahmen gestartet, um Arbeit zu schaffen. In der Hauptstraße und am Rheinufer beginnt, wie die Ortschronik berichtet, die Verlegung einer Kanalisation. Unterhalb des Birgeler Kopfes wird ein Hochbehälter zur Verbesserung der Wasserversorgung von Birgel errichtet. Die alte „Elektrische Centrale“, die in die Hauptstraße hereinragt und den Durchgangsverkehr behindert, wird „zum Wohl der Volksgenossen“ abgerissen. Trotz anderer vorgeschlagener Alternativen und gegen den Widerstand der Bevölkerung setzt der neue Bürgermeister und NS-Ortsgruppenleiter Hüllen den Abriss der alten Lindenallee am Rhein durch, um dort die Umgehungsstraße der Reichsstraße 9 bauen zu lassen. Demonstrationen gegen die Beseitigung des viel genutzten Oberwinterer „Naherholungsgebietes“ werden gewaltsam aufgelöst. Für die Vernichtung der Fotos dieser Demonstrationen sorgt Hüllen persönlich (allerdings ohne den gewünschten Erfolg). Wer sich gegen das Projekt in dieser Form ausspricht (so z.B. der Verkehrs- und Verschönerungsverein Oberwinter – Rolandseck, die Geistlichen und der Arzt Dr. Wirtz), wird vom Ortsgruppenleiter übel diffamiert, angeschwärzt und unter Druck gesetzt. In der Ortschronik, aus der leider viele Seiten aus dieser Zeit herausgetrennt sind, hat sich der Teil eines Eintrags erhalten, der vom Widerstand der Bevölkerung berichtet. Wohl auf Druck der „Partei“ muss der Chronist einen neuen Bericht schreiben, in dem er die Diskussionen nicht mehr erwähnt. Stattdessen berichtet er ausführlich über die Straßeneinweihung durch NS-Größen, vom Bau eines neuen Sportplatzes am Rhein und von der Einrichtung einer militärische Hindernisbahn an der Schule zur Ertüchtigung der Jugend.

1934 - 1936

1936

Fremdenverkehr

Oberwinter am Rhein - postkarte maennchen 1936

Zur Verbesserung der Wirtschaftslage bemüht sich das örtliche Gaststättengewerbe um Gäste. Sogenannte Kraft-durch-Freude-Reisende kommen in den Jahren ab 1936 verstärkt an den Rhein und auch nach Oberwinter und Rolandseck. Preiswerte Sonderfahren mit Bus und Bahn werden dazu angeboten. Gasthöfe und Lokale wetteifern um Kunden. Die Gemeinde erstellt besondere Werbeprospekte, in denen die Schönheit des Dorfes und die des „deutschen Rheins“ angepriesen werden. Auch Poststempel werden zu Werbezwecken eingesetzt. Viele Gäste bedanken sich bei ihren Wirtsleuten für die Gastfreundschaft und kommen wieder.

1939 - 1945

Kriegszeit

Oberwinter im 2. Weltkrieg - versenkter Rheindampfer Goethe

Die Stimmung bei Kriegsbeginn Anfang September 1939 ist – anders als 1914 – sehr gedrückt. Viele ahnen schon früh, dass Schlimmes auf ihre Familien zukommen wird. Ehemänner und Brüder werden zum Militär eingezogen. Kontakt ist nur per Feldpost möglich. Nach anfänglichen Siegesmeldungen mehren sich Nachrichten über den „Heldentod“ von Angehörigen und Bekannten. Das wirkt wie ein Schock auf die Bevölkerung. Die Versorgungslage wird schwieriger. Lebensmittelkarten werden eingeführt. Frauen und Kinder müssen jetzt auch die Arbeit der Männer auf den Feldern und in den Fabriken erledigen. Die Möbelfabrik Büttgen & Peters stellt nach Zeitzeugenberichten ihre Produktion auf Wehrmachtsspinde und Munitionskisten um, um überleben zu können. Zunächst ist der Krieg noch in weiter Entfernung, rückt aber langsam näher. Die Zahl der Luftalarme wird größer, wenn auch im Ort noch keine Luftangriffe zu beklagen sind. 1945, am 3. März, bombardieren Tiefflieger das südlich vom Ort liegende Salonschiff „Goethe“. Das Schiff, das nach Angaben der Ortschronik Lazarett und Wohnung für sehr viele russische Kriegsgefangene ist, erhält einen Volltreffer und sinkt. Etwa 20 Gefangene sterben. Die anderen Russen sind, unter strammer SA-Aufsicht, bei Schanzarbeiten an Land und entgehen so dem sicheren Tod. Im Ort gehen bei diesem Angriff an den rheinseitig gelegenen Häusern Dächer, Mauern und viele Fensterscheiben zu Bruch. Da es kein Baumaterial gibt, müssen die Fenster und Dächer notdürftig mit Holz oder Ähnlichem gegen Regen und Kälte abgedichtet werden (Horst Eckertz, Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 2005, S. 224 f.).

1939 - 1945

1945

Kriegsende

Oberwinter am Rhein - zerstörte Remagener Eisenbahbrücke 1945

Nach vergeblichen deutschen Zerstörungs- und Sprengversuchen fällt die Remagener Ludendorffbrücke am 7. März 1945 funktionsfähig den Amerikanern in die Hände. Kurz darauf rollen amerikanische Panzer nach Oberwinter und nehmen den Ort kampflos ein. Die Bevölkerung wird aus ihren Häusern ausgewiesen und in Sammelunterkünften untergebracht. Die Bewohner vom Holzweg und von der Mariengasse werden, wie Zeitzeugen berichten, in das „Landjahrheim“ hinter der Eisenbahn am Aufgang zum Hardtweg eingewiesen, andere Oberwinterer werden z.B. im Kaolinwerk untergebracht. Dort müssen sie abwarten, bis die Amerikaner auch die rechte Rheinseite vollständig erobert haben. Schon Ende Mai bestimmt die Militärverwaltung sechs unbelastete Oberwinterer zu „Gemeinderäten“. Sie wählen Kaspar Bell zum Gemeindevorsteher (Atzler/Wilms, 1100 Jahre Oberwinter, 1986, S. 55). Nach einem Zeugenbericht nehmen die Amerikaner den Ortsgruppenleiter Hubert Hüllen fest. Sie stellen ihn Bell gegenüber und fragen diesen, ob er Hüllen kenne. Als Hüllen Bell die Hand entgegen streckt, versetzt ihm Bell vor den Augen der Besatzer eine schallende Ohrfeige und ruft dabei: „Was, du traust dich nach Allem, mir noch die Hand zu reichen?“. Nach der Ortschronik soll sich Hüllen mit andern „Parteigrößen“ über den Rhein in den Westerwald abgesetzt haben. Dort sei er später gefasst worden.

1945

Nachkriegszeit

Zonengrenzbahnhof Remagen - Chronik Oberwinter am Rhein

Alle sind mit sich und dem täglichen Kampf gegen den Mangel beschäftigt. Viele Männer sind noch in Gefangenschaft. Der Schiffsverkehr auf dem Rhein ruht wegen zerstörter Brücken und Wracks. Lebensmittel und Brennmaterial sind mehr als knapp. Man muss alles „organisieren“. Stadtbewohner aus Bonn und Bad Godesberg kommen in die französische Zone, um – verbotenerweise – auf dem Land Lebensmittel gegen Wertgegenstände einzutauschen, zu „maggeln“. Werden sie an der Zonengrenze mit Lebensmitteln erwischt, wird die eingetauschte Ware von den Franzosen konfisziert. Es kommt an der Zonengrenze, insbesondere am Zonenbahnhof Remagen, zu herzzerreißenden Szenen.

1945

1946 / 1947

Kalter Winter

Dieser Winter ist bitter kalt und dauert bis in den Mai. Kohlezüge aus dem Ruhrgebiet, die in Richtung Frankreich rollen und vor Signalen halten, werden von Kindern und Jugendlichen, trotz strenger Verbote, bestiegen, um Brennmaterial herab werfen zu können. Die Briketts verschwinden blitzschnell in den Häusern. In seiner Sylvesterpredigt 1946 nennt der Kölner Kardinal Frings das „Organisieren“ von überlebenswichtigen Dingen entschuldbaren Mundraub. Seit diesem Tage wird auch in Oberwinter nicht mehr „organisiert“ sondern „gefringst“ (E. Kalejs, Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 2015, S. 226f.). Langsam kommen abgemagerte und kranke Männer aus der Gefangenschaft ins Dorf zurück. In über 50 Fällen warten die Familien vergeblich.

1948

Währungsreform

Das Leben beginnt sich zu normalisieren. Mit der Währungsreform gibt es ab 1948 wieder mehr zu kaufen. Der Schulbetrieb, der wegen der Einquartierung von Soldaten eingestellt wurde, soll wieder beginnen. Unter unsäglichen Mühen wird ein erster Teil des Schulhauses soweit in Stand gesetzt, dass der Unterricht – wieder getrennt für katholische und evangelische Schüler – beginnen kann. Die Schulleiter Hermann Bauer und Karl Weber kooperieren eng miteinander (Zeitungsarchiv W. Schmitz im Archiv des Rathausvereins Oberwinter). Die französische Besatzungsmacht hat viele Häuser und Gasthöfe beschlagnahmt, um Mitarbeiter und ihre Familien unterzubringen. Es fehlt daher an Wohnraum. Viele Gasthäuser werden erst 1949 wieder freigegeben. Dementsprechend mühsam ist es, den Fremdenverkehr wieder in Gang zu bringen. Dazu wird 1951 ein besonderes „Kirschblütenfest“ veranstaltet. Mit Bus, Bahn oder Schiff kommen langsam wieder Touristen aus dem Ruhrgebiet und sogar aus Holland. Diese werden in den Sonntagsgottesdiensten in ihrer Muttersprache begrüßt.

1948

1951

Rheinhöhensiedlung

Seit der Bestimmung zur vorläufigen Bundeshauptstadt ziehen vermehrt Beschäftigte aus dem Bonner Raum nach Oberwinter. Die Gemeinde erschließt mit erheblichem Aufwand die Rheinhöhe für Wohnzwecke; die „Bergstraße Im Ellig“ war bereits von den Franzosen bis zur Rheinhöhe ausgebaut worden, damit sie dort beschlagnahmten Wohnraum besser erreichen konnten. Im Laufe der Jahre entsteht auf der Rheinhöhe der neue Ortsteil „Waldheide“. Auch die Felder von Birgel werden nach und nach bebaut.Oberwinter am Rhein - Bau der Rheinhöhensiedlung

1963

Neue Infrastruktur

Oberwinter am Rhein - Edeka Schmitz 1960

Der starke Zuzug macht die Verbesserung der Infrastruktur erforderlich. Die Wege auf der Rheinhöhe werden zu Straßen ausgebaut, die Wasserversorgung verbessert (Bau neuer Hochbehälter, Bezug von Trinkwasser aus der rechtsrheinisch gelegenen Wahnbachtalsperre), ein Klärwerk wird am Unkelstein errichtet. Die Post erhält ein größeres Gebäude. Weitere Ärzte lassen sich im Ort nieder. Das 1895 errichtete Gebäude der Konfessionsschulen muss wegen Baumängeln abgerissen werden und wird 1963 durch einen modernen Schulbau ersetzt. Die beiden Volksschulen werden nach einer Abstimmung der betroffenen Eltern 1967 in eine christliche Gemeinschaftsschule umgewandelt (Atzler/Wilms aaO, S. 57). Immer mehr Kinder können nach ihrer Grundschulzeit auf weiterbildende Schulen gehen. Die beiden konfessionellen Kindergärten erhalten neue Gebäude.

1963

1969

Kommunalreform

Nach langen und zum Teil sehr kontrovers geführten Diskussionen wird die bis dahin selbständige Gemeinde Oberwinter Teil der neu strukturierten Stadt Remagen. Der alte Name des Dorfes verschwindet verwaltungsmäßig und postalisch (zunächst: „Remagen-Oberwinter“; später: „Remagen 2“). Der Ortsteil wird vertreten durch einen Ortsvorsteher und einen Ortsbeirat. Auch wenn so mancher Oberwinterer diese Entwicklung bedauert, die Entscheidung ist unumkehrbar.

1980

Strukturwandel

Oberwinter Hauptstrasse 1980

Ein weit verbreiteter Trend ist auch in Oberwinter zu beobachten. Die kleinen Einzelhandelsgeschäfte, die bis in die 1970er Jahre die Vollversorgung der Bevölkerung sichergestellt haben, stellen ihren Betrieb ein. Immer mehr Menschen verfügen, dank eines eigenen Autos, über die erforderliche Mobilität, preiswerter bei großen Geschäften auf der „grünen Wiese“ einzukaufen. Ehemalige Ladenlokale stehen leer; viele werden zu Wohnungen umgebaut. Auch alteingesessene Gasthäuser schließen.
Zum Strukturwandel gehört auch das Aussterben der kleinen bäuerlichen Betriebe. Ende der 40er Jahre gibt es noch 10 (Nebenerwerbs-)Betriebe im Ort. Einer nach dem Andern wird geschlossen. Einige erhalten Stilllegungsprämien aus Brüssel. Der Fremdenverkehr, der Anfang der 1950er Jahre durch Besucher aus Holland und dem Ruhrgebiet wieder angestiegen war, geht stark zurück. Es fehlt an Geld, um attraktive Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen.

1980

Seit 2000

Entwicklung

Oberwinter am Rhein - Yachthafen im Jahr 2014

Die Entscheidung des Deutschen Bundestages, nach der Wiedervereinigung die Bundeshauptstadt nach Berlin zu verlegen, führt nicht zum befürchteten Einwohnerrückgang. Dank der Schaffung vieler neuer Arbeitsplätze im Großraum Bonn ändert sich die Funktion des Ortes als „Wohn- und Schlafstätte“ für viele Pendler kaum. Dazu trägt auch die gute Bahnanbindung des Ortes bei. Statt des Einzelhandels lassen sich vermehrt Dienstleister im Ort nieder. Die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung stellt seit 2001 ein neuer EDEKA-Markt sicher, der 2014 noch einmal deutlich erweitert wird. Auch das gastronomische Angebot verbessert sich wieder.

Insgesamt hat sich der Ort mit seiner herrlichen Lage am Rhein seit 1950 zu einem gesuchten Wohnort entwickelt. Der schwierige Strukturwandel darf als gelungen bezeichnet werden.